Kulturerhalt in Samarkand und Buchara

Zwei der Maßnahmen beziehen sich auf das Mausoleum Shadi-Mulk-Aga in der Samarkander Shah-i-Sinda-Nekropole (wörtlich: „der lebende Schah“). Diesen Namen verdankt die Nekropole dem hier begrabenen Kusam ibn Abbas, einem Vetter des Propheten Mohammed. Schon seit vormongolischer Zeit ist sein Grabmal eine geheiligte Stätte und ein bedeutender Wallfahrtsort gewesen. Später kamen weitere Mausoleen hinzu, die, ebenso wie das Grab des Kusam, zu betreten Andersgläubigen bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts verboten war. Heute umfasst die Nekropole mindestens dreizehn Mausoleen, eine Medresse, eine Winter- und eine Sommermoschee und ist in ihrer Bedeutung dem Weltkulturerbe zuzurechnen.

Das Mausoleum Shadi-Mulk-Aga ist auf 1371/1372 datiert und zählt damit zu den vier ältesten Mausoleen der Totenstadt. Die Grabherrin war als eine Nichte Timurs eine bedeutende Person, was die überaus reichen Verzierungen und sorgfältige Innenausstattung des Mausoleums erklärt. Die Fassade gilt wegen ihrer klaren Gliederung und feinen, kunstvollen Ornamentik als eines der schönsten Beispiele islamischer Baukunst ganz Zentralasiens.

In einem ersten Projekt wurde das äußere Erscheinungsbild gesichert und restauriert. Dies geschah in den Jahren 1997 und 1998 zunächst durch Maßnahmen zur baulichen Sicherung des Mausoleums, um den zügig voranschreitenden Zerfallsprozess aufzuhalten. Daran schlossen sich 1999 bis 2001 Maßnahmen zur Fassadenrestaurierung an. Ausgeführt wurde diese Arbeiten, unter Oberaufsicht der usbekischen Denkmalbehörden, durch ein deutsch-usbekisches Team, das wissenschaftlich durch die Taschkenter Hochschule für Architektur und Bauwesen und das damalige Deutsche Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege begleitet wurde.

Ein zweites Projekt, das 2005 abgeschlossen wurde, befasste sich mit dem Erhalt und der Restaurierung des Innenraumes des Mausoleums. Projektträger war die Fachhochschule Potsdam mit dem Kultusministerium Taschkent und der Taschkenter Hochschule für Architektur und Bauwesen als Projektpartner.

Eine weitere Kulturerhaltmaßnahme dient der Sicherung der Kuppel der Tilla-Kari-Medresse, die Bestandteil des einzigartigen Registan-Ensembles ist. Eine aus Wissenschaftlern und Ingenieuren der Fachhochschule Potsdam und Freiberuflern bestehende Projektgruppe hat den Auftrag erhalten, die Rettung der 1646 bis 1660 gebauten einstigen Hauptmoschee der Muslime in Usbekistan zu begleiten. „Die Goldbestäubte“ (Tilla Kari) ist deshalb gefährdet, weil die 1870 bei einem Erdbeben eingestürzte Kuppel gut ein Jahrhundert später zu Sowjetzeiten durch eine neue ersetzt wurde. Diese wurde mit  Beton errichtet, der zu schwer für die schwachen Streifenfundamente und den weichen Untergrund ist. Der schwere Kuppelbau bewegte sich auf Grund dessen jährlich ein bis drei Zentimeter in Richtung Erdmittelpunkt. Um diesem schleichenden Prozess entgegenzuwirken, wurde ein anspruchsvolles Projekt realisiert, das international Beachtung fand. Ziel des Projektes war die nachträgliche Verstärkung des Fundamentkörpers der Moschee. Hierfür wurde ein Teil der Bauwerkslaster durch mit den Fundamenten verbundene Betonpfähle in tiefere Bodenschichten abgeleitet. Dazu wurden mehr als 30 Stahlbetonpfähle unter die kritischen Punkte des Mauerwerks und des Fundamentkörpers gesetzt. 

Im Herzen der Altstadt von Buchara steht ein weiteres Projekt des Kulturerhalt-Programms: die Medrese Abdul-Aziz-Khan, die 1652 errichtet und nach ihrem Erbauer benannt wurde. Abdul-Aziz, der damalige Herrscher, ließ die Medrese nach persischem Vorbild erbauen, mit einem großen Innenhof, der durch vier Ivane gegliedert ist. Der reich gestaltete Eingangspischtak, der nach dem Koshprinzip genau gegenüber der Ulugh-Beg Medrese aus dem 15. Jahrhundert liegt, wurde zwischen 2006 und 2009 mit Mitteln des Kulturerhaltprogramms restauriert. Gegenstand der Restaurierung war die Musterkonservierung eines der fünf übereinander angeordneten, aufwändig gestalteten Felder der Keramikverkleidung auf der linken Hälfte des Haupteingangsportals. Hier sollte exemplarisch für die gesamte Fassade eine Konservierung des historischen Bestandes in Fayencemosaiktechnik, umrahmt von Fliesentechnik durchgeführt und dokumentiert werden.

Außerdem bemühten sich Professoren der Fachhochschule Potsdam um den Erhalt eines der schönsten Bauwerke in Samarkand aus der Spätzeit der Timuriden - das Mausoleum Ischrat-Khane, das um 1464 vollendet wurde. Im Rahmen eines für drei Jahre konzipierten Projektes sollte die unverfälschte und sehr authentische Mausoleumsruine bauhistorisch untersucht und dokumentiert werden. Darauf aufbauend sollten erforderliche Erhaltungsmaßnahmen im Sinne einer gemeinsamen deutsch-usbekischen Demonstrationsbaustelle an Teilbereichen des Objektes durchgeführt werden. Dazu gehörte die Wiederherstellung der Mauerkronen, das Ergänzen von fehlenden Verfugungen und die Reparatur von gefährdetem Mauerwerk mit traditionellem Fugenmaterial und einfachen Lehmziegeln in historischer Technik.